Thu, 02-12-2004, 18:30 Uhr
Physik des Hörens
Prof. Dr. Frank Jülicher
Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme, Dresden
vollständiger Text
Das Gehör besitzt herausragende Fähigkeiten der Schallwahrnehmung. Der dynamische Bereich erstreckt sich über 120 dB, das Frequenz-Spektrum über nahezu drei Größenordnungen. Dies beruht darauf, dass die Sinneszellen im Innenohr nicht passive Signalwandler sind sondern aktive nichtlineare Verstärker. Der Vorgang lässt sich mit dem Konzept sogenannter selbstregulierter kritischer Oszillatoren beschreiben. Dabei handelt es sich um dynamische Systeme, die in der Nähe einer oszillatorischen Instabilität operieren. Eine Vielzahl von Indizien legt nahe, dass die Gehörorgane aller Wirbeltiere auf diesem Grundprinzip beruhen. Der Vortrag behandelt theoretische und experimentelle Untersuchungen dieser faszinierenden Erscheinung.